Sarvedjahan Du Ich und der Teppich

Im November 2007 erschienen:

"La ki dscha chot" oder 

Sarvedjahan Du Ich und der Teppich 

105 Seiten, € 9,-

Für Kinder von 8 bis 13 Jahren konzipiert, aber, wie sich herausstellt, auch für größere und ganz große Kinder richtig interessante Lektüre!

 

Die Geschichte wurde in einer Serie "Kinder der Welt" als Rundfunk-Hörspiel gesendet. Sie hat sich nun zu diesem Buch ausgewachsen. Sarvedjahan (Sarvi) knüpft für ihr imaginiertes westliches Gastkind die Muster und Farben ihrer ländlichen iranischen Heimat: Lokale Situation, Klima, Familienverhältnisse, Dörfer, Tiere, Wege, Einzelheiten von Wohnung, Nahrung, Medizin, Umgang, Atmosphäre, Einstellungen - eine Gesellschaft im Umbruch. Die Kinder im Teppichraum sind selbstbewusst. Die Teppiche sind für sie lebendige Wesen.

Das Buch ist zunächst ausschließlich über den Buchladen dieser Homepage zu erwerben. 

 

Ideal als Geschenk, Einladungs-Mitbringsel, für die eigene Schatzkiste!

 

Gewinn geht an private Spiel- und Spaßprojekte, an denen mittellose deutsche und ausländische Kinder gemeinsam teilnehmen.

Aus dem Buch

 

    Wenn dir mein Name lang vorkommt, Sarvedjahan, dann denkst du einfach: Sarvi. Darauf hör ich auch.

    Sarvi mit den langen schwarzen Haaren und dem Vier-Gesichter-Amulett von ihrer Ur-ur-Urgroßmutter um den Hals.

    Das Amulettchen war vor langer Zeit Teil eines Ohrrings. Meine Ur-ur-Urgroßmutter trug ihn. Woher sie ihn hatte, weiß Allah (4). Sie betete zur Göttin Ashi Vanuhi. Dazu brauchte sie den Ohrring mit den vier Gesichtern.

 

    Natürlich ist es längst verboten, zu Ashi zu beten, ay (5). Obwohl sie eine gute Göttin war und Glück und Reichtum brachte. Heißt es.

    Meine Mutter hat Angst vor dem Amulett und trägt es nicht. Sie will auch nicht, dass ich es trage. Aber mir gefällts. Ich trage es. Heimlich, unter dem Kleid.

    Weil ich damit fliegen kann auf meinem Laki- Teppich (6) mit den ausgebleichten Mustern, vielleicht Blumenranken, die ich mir aber als den Tanz der Schlangenfrauen vorstelle.

 

    La-ki heißt rot. Nicht irgendeins, sondern das besondre Rot von meinem Teppich. Welche, wen oder was ich mitnehme auf meinem Teppich, die, der oder das bleibt unsichtbar, solange nicht ein ganz bestimmter Abstand von mir überschritten wird.

 

    Also jetzt komm. Es geht sehr gut, du siehst dann schon. Du kannst dir auch ein Kuscheltier mitnehmen oder den Malkasten oder ein Buch. Na, ein Buch wirst du nicht brauchen, weil doch immer viel passiert. Da wirst du nicht ans Lesen denken.

 

    Mit dem Malkasten, das war vielleicht kein guter Vorschlag. Höchstwahrscheinlich kommst du auch zu sowas nicht. Aber wenn du doch was malst und es dann sichtbar ist, dann kommt die Sache raus. Meine Leute merken, dass ich wieder mit dem Laki-Teppich unterwegs war, und machen ihre Drohung wahr, mir das Amulettchen und den Teppich wegzunehmen.

 

    Das ist alles wegen neulich. Ich war an meinem freien Nachmittag mit Laki unterwegs und schwebte so in Richtung Berge. Unter mir wie eine Trennungs-Linie die Eisenbahn. Die läuft zwischen dem sanften Ende vom Gebirgsrand und der Wüste.

    Ich denke, das muss lustig sein für Leute, die da fahren. Schauen sie nach rechts, sehen sie die Berge; schauen sie nach links, die Wüste. Oder umgekehrt. Je nachdem, wie sie fahren. In welche Richtung, meine ich.

 

    Bestimmt kommen sie durcheinander von dem Anblick. Spätestens, wenn sie zurückfahren. Dann ist die Wüste rechts und das Gebirge links. Kann doch nicht sein, werden sie denken.

 

    Für mich kein Problem, denn so von oben verstehst du das ganz leicht.

 

    Egal. Ich unterwegs. Und sehe eine abgestürzte Ziege. An einem Abhang. Sie versucht immer wieder, hochzukommen, aber es gelingt ihr nicht.

    Ich lande bei ihr. Sie hat zwei verletzte Beine. Ist schon ziemlich schwach. Wer weiß, wie lange sie da liegt.

 

    Wir bereden Einzelheiten, wie wir es schaffen wollen. Sie verspricht mir dabei auch ganz fest, nicht von dem Platz wegzugehen, zu dem ich sie bringen würde.

 

    Also zog ich sie - die Ziege schob, so gut sie konnte. Endlich hatten wirs geschafft und waren beide auf dem Teppich. Die Reise war dann leicht.

 

    Ich versteckte sie hinter dem Stall von meiner Tante, schiente ein Bein, weil es gebrochen war. Das andere war überall verstaucht und angeschwollen. Vielleicht an einer Stelle auch gebrochen, da war ich mir nicht sicher.

    Meine Tante konnte ich nicht fragen. Es musste eben gehen wie es ging. Also machte ich um beide Beine Kräuter-Umschläge. Gab ihr zu trinken und zu essen.

 

    Immer abends ging ich sie besuchen, sah nach, wie es ihr ging, brachte Essen mit, holte Wasser, erneuerte die Umschläge.

    Mit dem Futter-Grünzeug und den andren Sachen unter meinem Kleid sah ich wahrscheinlich aus wie Shirin (7), kurz bevor ihr Baby auf die Welt kam.

 

    Nach der Behandlung plauderten wir etwas. Allmählich nahmen ihre Kräfte zu. Sie wurde unruhig. Noch ein paar Tage, sagte ich, dann bring ich dich zurück. Zu deiner Gruppe am Gebirgsrand, oder wo sie grade sind, oder in die Nähe von dem Nachbar-Dorf, wo du zu Hause bist.

 

    Was passiert? Sobald sie halbwegs auf den Beinen war, humpelte sie davon in Richtung auf ihr Dorf und wurde sichtbar.

    Ihr Versprechen hatte sie vergessen, nehm ich an. Zwischen den Dörfern gab es Streit. Diebstahl, hieß es.

    Ich sagte, dass ich schuld wär.

    Die Großen sagten, so ein Quatsch, Sarvi und Schuld, ein Mädchen, aber am Ende schimpften trotzdem alle auf mir rum.

 

    Egal. Ein Kuscheltier oder der Malkasten oder ein Buch. Und dann wir Zwei. So viel hat Platz.

    Und bitte bleib in meiner Nähe. Da bist du unsichtbar und kannst dir alles anschaun. Wir fliegen mitten rein in meine Gegend.

  

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